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Die Zukunft ernten : Weitergabe zentralen Nachernte-Know-hows in Europa

Veröffentlicht am 05/01/2026

In ganz Europa ist der Generationenwechsel zu einer zentralen Herausforderung geworden. Und er betrifft nicht nur die landwirtschaftliche Erzeugung : Auch die Berufe der Nacherntephase sind betroffen – Sammlung, Lagerung, Qualitätsmanagement, Instandhaltung und Logistik, also jene entscheidenden Schnittstellen zwischen Feld und Teller. Vor diesem Hintergrund veranstaltete Javelot eine Diskussionsrunde unter dem Titel “Harvesting the Future : Digitale und soziale Transformation der Getreidebranche”, Teilnehmende waren Ludovic Bruey (Siloleiter, Dijon Céréales – französische Agrargenossenschaft), Audrey Bourolleau (Gründerin von Hectar) sowie Olivier Athimon (CEO der Groupe Advitam – französische Agrargenossenschaft).

Wenn eine Generation geht, kann Wissen verloren gehen

Die Diagnose ist eindeutig und wird von allen geteilt : Die Tätigkeiten werden komplexer, die Qualitätsanforderungen steigen – und dennoch basiert ein großer Teil der Expertise weiterhin auf „Learning by Doing“. Olivier Athimon verwies auf eine strukturelle Realität : „Eine sehr große Zahl von Siloleitern wird in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen.“ Mit ihnen droht ein erhebliches Risiko : der Verlust wertvollen Wissens, oft intuitiv, über viele Ernten hinweg aufgebaut.

Dieser Herausforderung zu begegnen bedeutet nicht allein, neue Mitarbeitende zu rekrutieren. Es geht ebenso darum, Perspektiven zu schaffen, die zum Bleiben und Weiterentwickeln motivieren. Deshalb sind laut Athimon klare Karrierepfade entscheidend : „Wir müssen (…) Entwicklungsperspektiven aufzeigen“ – in einem Beruf, der zugleich technisch, organisatorisch und im direkten Kontakt mit Landwirtinnen und Landwirten steht.

„Mündliche Berufe“ : Ein intellektuelles Erbe bewahren und weitergeben

Audrey Bourolleau weitete den Blick und beschrieb einen tiefgreifenden Wandel: Die europäische Landwirtschaft ist längst nicht mehr nur eine familiäre Lebensform, sondern entwickelt sich zunehmend zu einer unternehmerisch organisierten Struktur – mit Delegation, Outsourcing und neuen Berufsbildern.In diesem Kontext kann Wissensweitergabe nicht mehr ausschließlich auf mündlicher Überlieferung und informeller Erfahrung beruhen, auch wenn diese Kultur weiterhin eine zentrale Rolle spielt : “Wir sind Berufe der Mündlichkeit.”

Ihre zentrale Botschaft : Es gilt, ein intellektuelles Erbe ebenso zu bewahren wie landwirtschaftliche Vermögenswerte – und digitale Werkzeuge (einschließlich KI) zu nutzen, um Erfahrungswissen zu erfassen, Referenzpunkte zu formalisieren, die Einarbeitung zu erleichtern und den generationsbedingten Verlust von Know-how zu verhindern.

Digitalisierung als operatives „Backup“: Zeit zurück für das Wesentliche

Aus der Praxis heraus schilderte Ludovic Bruey sehr konkret, was digitale Lösungen im Alltag verändern: weniger unnötige Fahrten, fernsteuerbare Eingriffe, mehr Zeit für Rückverfolgbarkeit, Qualitätssicherung und Wartung – kurzum: mehr Zeit für den Kern der Tätigkeit. Hinter diesen Effizienzgewinnen steht eine klare Logik: repetitive Aufgaben reduzieren, um sich auf jene Tätigkeiten zu konzentrieren, die echte Expertise und Aufmerksamkeit erfordern.

Eine europäische Erkenntnis: Der erfolgreiche Übergang von Nachernte-Kompetenzen

Im Verlauf der Diskussion kristallisierte sich eine zentrale Erkenntnis heraus: Es geht nicht um „Technik versus Mensch“, sondern um Mensch plus Werkzeuge – im Dienst einer leistungsfähigeren Wertschöpfungskette. Die erfolgreiche Weitergabe von Nachernte-Know-how bedeutet, Qualität zu sichern, Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und einen Beitrag zur europäischen Ernährungssouveränität zu leisten.

Genau diesem Ziel diente diese Diskussionsrunde: Praxiserfahrung, soziale Transformation und digitale Lösungen zusammenzubringen, um gemeinsam die Zukunft zu ernten.

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